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DER TAUCHER

ein Film von Günter Schwaiger koproduziert mit Extrafilm | 2019 | 94 min | 2K | Color | 5.1. | 2.35:1 | Austria, Spain

Synopsis

Die Wienerin Irene ist eine starke und selbstbewusste Frau, die mit ihrer 18jährigen Tochter Lena auf Ibiza lebt. Das innige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter gerät ins Wanken, als Irenes Ex-Partner Paul gemeinsam mit seinem Sohn Robert nach Ibiza zurückkehrt. Seine Weltkarriere als Komponist und Musiker ist in Gefahr. Demnächst wird er vor Gericht stehen, weil er Irene schwer misshandelt hat. Mit allen Mitteln versucht er Irene zu manipulieren, um die Anzeige zurückzuziehen.Als ihm das fast gelingt, stellen sich Lena und Robert gegen Paul. Ein Konflikt ist unausweichlich.

Inmitten der scheinbaren Idylle einer mediterranen Insel erzählt DER TAUCHER die Geschichte eines Traumas aus den unterschiedlichen Perspektiven der vier Beteiligten. Ein Psychothriller über familiäre Gewalt, die Sehnsucht nach Liebe und die unbeugsame Kraft des Aufbegehrens.

Credits

Drehbuch und Regie: Günter Schwaiger
Produzenten:
Günter Schwaiger, Lukas Stepanik
Line Producer: Majo Cardona
Kamera: David Azcano (AEC)
Musik: Roland Hackl
Animation+Ausstattung: Cristina Guisado Garcia (Artchi)
Kostüm: Esther Sancho
Maske: Regina Breitfellner
Ton: Miguel Rejas
Schnitt: Günter Schwaiger, Martin Eller
Produktionskoordination: Julia Mitterlehner
Produziert von: Günter Schwaiger Filmproduktion, Extrafilm
Service Produktion: Dim Dim Production S.L.
mit Unterstützung von:  ÖFI , ORF, Land+ Stadt Salzburg

Cast

Franziska Weisz / Irene
Alex Brendemühl / Paul
Julia Franz Richter / Lena
Dominic Marcus Singer / Robert​

Festivals

  • Hofer Filmtage (2019, Germany)
  • Würzburg IFF (2020, Germany)
  • Austrian Filmfestival Israel (2020, Jerusalem, Tel Aviv, Haifa)
  • Austrian Film Week Kairo (2020, Egypt)
  • Freistadt Heimatfilmfestival (Austria)
  • Radstadt Filmfestival (Austria)
  • Diagonale (2020, Austria)
  • Bozen Filmfestival (2020, Italy)
  • Barcelona Filmfest (2020, Spain)
  • Atlantida Filmfest (2020, Spain)
  • Das Filmfest Prag (2020)
  • Festival de Cine Europeo de Segovia (2020, Spain)
  • Ibizacinefest (2021, Spain)

Preise

Diagonale 2020 – Beste Schauspielerin:
Julia Franz Richter

Nominierung – Österreichischer Filmpreis 2021

Regiestatement

Über den Film

Familiäre Gewalt, geschlechtsspezifische Gewalt oder intime Gewalt sind Ausdruck einer Tatsache: Trotz Zivilisation und Fortschritt sind die vom Partner oder Ex-Partner ausgeübten Übergriffe Alltag für hunderttausende Frauen in Europa. Im Jahre 2018 wurden in Österreich 41 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet. Das ist westeuropäische Spitze. Im Vergleich zu Spanien beispielsweise waren das 5 MAL so viele Mordopfer.

Dennoch wird nach wie vor wenig darüber in der Öffentlichkeit gesprochen oder diskutiert. Immer noch scheint in der Gesellschaft eine Art Übereinkunft darüber zu herrschen, diese Angelegenheit sozial schwächeren Schichten, Zuwanderern oder marginalisierten Individuen zuzuschreiben. Doch nach wie vor findet die Gewalt vor allem in der Mitte unserer aufgeklärten Gesellschaft statt: Denn dass gerade in gesellschaftlich besser gestellten Kreisen die häusliche Gewalt einem viel stärkeren Schweigetabu unterliegt und deshalb kaum an die Öffentlichkeit dringt, wird wenig bedacht.

Das ist auch der Hauptgrund, die Geschichte dieses Filmes auf Ibiza anzusiedeln, also in einem Ambiente, das eben gar nicht diesem Randgruppenklischee entspricht. Der Täter ist ein Künstler, einer von uns, ein hochgebildeter Mensch, der keine finanziellen Sorgen hat, der es sich leisten kann, durch die Welt zu reisen und auf einer Trauminsel zu leben. Er ist ein Mann, dem aufgrund seiner Tätigkeit und seines gesellschaftlichen Images im Normalfall alle Sympathien entgegenströmen und von dem sich wohl niemand vorstellen möchte, dass er im Verborgenen Gewalt an Frauen ausübt. Aber er trägt viele Gesichter und weiß sich zu tarnen. Die betroffene Frau wiederum – im Alltag selbstbewusst und stark – findet aus Angst und Scham nicht aus dem Abhängigkeitsverhältnis.

Der Film beschreibt gleichzeitig die verheerenden Auswirkungen von Gewalt auf die Psyche der Jugendlichen, das heißt auf die nächste Generation. Der Schaden, den eine Gewalterfahrung in der Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen anrichtet, ist immens. Nur wenige haben die Kraft Widerstand zu leisten. Meist werden Schmerz und Trauma verdrängt und nicht selten kommt es zur Wiederholung des Gewaltmodells, wenn die betroffenen Kinder erwachsen sind – entweder als Opfer oder als Täter. Die Verantwortung jeder Generation für die Weitergabe von Gewaltmustern an die nächste darf nicht unterschätzt werden. Gerade hier offenbart sich ein entscheidendes Dilemma unsere Zivilisation: Wir vererben Gewalt.

Der Film ist aus vier Perspektiven erzählt, die jede für sich einen bestimmten Umgang mit der Gewalterfahrung erzählt: Es geht dabei um Leugnen, Verdrängen, Widerstand und Resignation. Jeder dieser vier Reaktionen verbindet sich ihrerseits mit der Suche nach Liebe und der Angst vor Zurückweisung. Alle Figuren sind so unerbittlich von der ausgeübten, erlebten oder erlittenen Gewalt geprägt, dass sie sich voneinander isolieren, weil sie nicht darüber sprechen können. In diesem Sinne ist der Film auch ein Appell an die Kommunikation, an die Notwendigkeit zu reden, die Dinge beim Namen zu nennen. Und sich nicht vor Gewalt und Bedrohung zu verstecken, sondern nach Außen zu gehen, um Hilfe zu suchen. Denn nur so kann dieser Teufelskreis unterbrochen werden.

DER TAUCHER ist in jeder Hinsicht ein Film über unsere Psyche, über unsere Lügen, unser Schweigen, unsere Angst und Brutalität, aber auch über unsere Kraft Widerstand zu leisten und unseren größten Wunsch: Lieben zu können und Liebe zu erfahren.