Credits
- Walentin Alexandrowitsch Petschatin
- Sergej Tscherwonnyj
- Michail Pawlowitsch Mojsejew
- Nikolaj Andrejewitsch Melach
- N. A. Bobrakow
A/CH/D 2001, 35 mm, 1:1,66, 95 min, Farbe
Originalfassung: Russisch mit deutschen Untertiteln
Produktion Navigator Film
Koproduktion Dschoint Ventschr
Peter Stockhaus Filmproduktion
Buch, Regie Johannes Holzhausen
Dramaturgische Beratung Constantin Wulff
Regieassistenz Susanne Kotrba
Julia Solovieva
Kamera Joerg Burger
Schnitt, Sounddesign Michael Palm
Ton Sergej Moshkov
Produktionsleitung Johannes Rosenberger
Schnittassistenz Regina Höllbacher
Aufnahmeleitung Galina Antoshevskaja
Ursula Wolschlager
Vitali Kalinin
Produzenten Johannes Rosenberger, Constantin Wulff
Koproduzenten Peter Stockhaus (D)
Werner Schweizer (CH)
gefördert von BKA – Kunstsektion, Eurimages, Wiener Film Fonds, ZDF/ARTE
ORF, SF DRS, Schweizer Bundesamt für Kultur, Media
Wege und Umwege – Der Regisseur über seinen Film
AUF ALLEN MEEREN war ein langwieriges Projekt. Alles begann damit, dass ein Freund mir 1993 vom sukzessiven Verkauf fast aller russischen Kriegschiffe erzählte. Die selbst nicht mehr fahrtüchtigen Schiffe würden von Schleppern nach Asien zur Verschrottung gebracht.
Diese Geschichte interessierte mich, und ich begann, zunächst sporadisch, daran zu arbeiten. 1995 entstand daraus die Videorecherche Das letzte Ufer, die die Fahrt eines russischen Kriegschiffs von Singapur nach Indien beschreibt. Dieses Video diente mir als Basis für die Finanzierung und Drehbucherstellung von AUF ALLEN MEEREN.
In dieser Zeit war der Flugzeugträger Kiev, immerhin das größte Überwasserschiff der sowjetischen Kriegsmarine, zum Verkauf vorgesehen, und ich beschloss, dass dieses Schiff der Ausgangspunkt für AUF ALLEN MEEREN sein sollte. 1997 begannen wir mit der ersten Drehphase in St. Petersburg, mit Protagonisten von der Kiev, ohne offizielle Drehgenehmigung, ohne zu wissen, wann genau die letzte Reise des Schiffs zu seiner Verschrottung tatsächlich stattfinden würde. Ich recherchierte und drehte danach in der Ukraine mit weiteren Protagonisten, immer im Hinblick auf das dramaturgische Gegengewicht dieser letzten Fahrt. Allerdings: Kaufinteressenten für das Schiff kamen und gingen zwar, aber letztlich blieb es ein Ladenhüter. Im August 1998 erhielten wir immerhin – nach eineinhalbjähriger Arbeit – die Genehmigung der Kriegsmarine, die Kiev an ihrem Ankerplatz im Norden bei Murmansk zu filmen. Dort saßen uns jedoch die Presseabteilung und der Geheimdienst so im Nacken, dass der Spielraum für die Dreharbeiten sehr gering war, zumindest für jemanden wie mich, der sich viel Zeit nehmen will, um das Vertrauen seiner Protagonisten zu gewinnen, und der Drehentscheidungen aus der Dynamik der jeweiligen Situation heraus trifft – also so ziemlich das Gegenteil von dem, was sich Militärs vorstellen. Während dieses an sich schon sehr schwierigen Drehs ereignete sich der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes. Zurück in Österreich begannen wir mit dem ersten Schnitt, der allerdings an dem fehlenden „Hauptprotagonisten“ krankte. Ich hoffte, ich wartete ab, ich zögerte die Fertigstellung des Films hinaus – und endlich, im Januar 2000, gab es eine Wendung: Es fand sich ein chinesischer Käufer für das Schiff (übrigens bereits der dritte Flugzeugträger, den China aus den Restbeständen der sowjetischen Marine erworben hat), wir konnten die Kiev auf ihrer letzten Fahrt begleiten, das Material war vollständig, wir schnitten wieder, und im Oktober 2001 war der Film fertig.
1993 wusste ich wenig über Russland, über Schiffe, über das Militär. Zwei Umstände haben damals mein Interesse geweckt. Zum einen die romantische Neugierde des Binnenländers auf das Meer, die Seefahrt, und der Wunsch, solch einen fliegenden Holländer zu begleiten. Zum anderen beschäftigte mich die Frage, was eigentlich aus all den ehemaligen Marineoffizieren wurde, die früher stolze Sowjetbürger mit hohem sozialen Ansehen waren, aber durch den Lauf der Geschichte plötzlich von niemanden mehr gebraucht wurden. Wie würden diese Militärs ihre plötzliche Bedeutungslosigkeit verarbeiten? Durch die äußeren Umstände gezwungen, mussten sie sich doch Fragen nach dem Sinn ihres gesamten bisherigen Tuns, ihres Daseins stellen. Was für Menschen, was für seelische Landschaften würde ich antreffen? Nun, nach Gesprächen mit beinahe hundert Marineoffizieren und einigen tausend Fragen, die ich gestellt habe, kenne ich die „Anatomie“ des russischen Offiziers besser, als mir manchmal lieb war.
Im Film sind sieben Protagonisten zu sehen, von denen jeder auf seine Art existentiell mit dem Schiff verbunden ist. Ich porträtiere sie unter einem psychologischen Aspekt, denn darin liegt ganz grundsätzlich mein filmisches Interesse.
So ist zwar Anlass und roter Faden des Films das Schiff, aber es ist nicht das Thema, es dient mir lediglich als Projektionsfläche für Erinnerungen, Phantasien, Verklärungen, Verdrängungen. Der Blick meiner Protagonisten auf das Abwesende und ihr Schicksal in der Wechselwirkung von Tradition, Geschichte und individueller Entscheidungsfreiheit haben mich mehr interessiert als eine militärische Geschichte des Kalten Krieges. Wenn sich etwas von unserer Anteilnahme für diese Menschen und ihre Verletztheit auf den Zuschauer überträgt, hat sich diese langwierige Arbeit für mein Team und mich gelohnt.
Johannes Holzhausen
PRESSESTIMMEN
„Es sind nicht nur die einfühlsamen Bilder des Schiffes im Regen, nicht nur der dunkel hohle Sound, der ein wenig an Walgesänge erinnert; sondern vor allem sind es die Menschen, die ein Teil ihres Lebens auf diesem Schiff zubrachten, die stolzen Kapitäne, die das Filmteam aufgespürt hat. Wie Tschechow’sche Figuren zehren sie von vergangenem Ruhm, von dem heute nur ein Abglanz geblieben ist.“
Berliner Zeitung – Ulrich Seidler, 16/17. Februar 2002
„Mit diesem melancholischen Dokumentarfilm steuert Österreich dem Berlinale-„Forum“ ein wesentliches, filmisch und politisch präzise formuliertes Werk bei, das dem internationalen Vergleich nicht nur standhält, sondern diesen – im Blick weit hinaus, man könnte sagen: bis ans Ende der Welt – geradezu sucht.“
Stefan Grissemann – Die Presse, 15. Februar 2002
„Der schönste Film der diesjährigen Werkschau des eidgenössischen Filmschaffens kam dann aber doch (…) aus Österreich. ‚Auf allen Meeren’ heisst der von Dschoint Ventschr mitproduzierte Dokumentarfilm von Johannes Holzhausen, die Chronik einer Demontage. (…) Was an Holzhausens Film besonders beeindruckt, ist die Geduld, mit der die Kamera geführt ist, das Vertrauen in die Bilder, der Mut zu losen Enden auch. Unzählige Geschichten werden hier erzählt, aneinander gereiht in ruhigem Rhythmus. Nicht zuletzt, weil da viel Raum bleibt, tun sich Welten auf.“
Michael Sauter, Reto Baumann – Wochenzeitung, Nr. 4, 24. Jänner 2002
„Wer nie verstanden hat, warum Schiffe eine Seele haben, sehe sich diesen Dokumentarfilm an. Der stolze russische Flugzeugträger ‚Kiew“ wird von Murmansk nach China geschleppt, wo er sich zum Vergnügungspark verwandeln muss.“
mare – Die Zeitschrift der Meere, Nr. 31, April/Mai 2002
„Ein schöner, ein großartiger Film.“
Michael Omasta – Falter, Nr. 41/2001

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